• Kranzgewinner NWSV Wittnau

Vom Hirtensport zum Spitzensport

Die Wurzeln des Schwingens sind nicht eindeutig zu datieren. Eine erste Darstellung aus dem 13. Jahrhundert, in der Kathedrale in Lausanne, zeigt bereits die typische Art, Griff zu fassen.

In der Zentralschweiz und im Mittelland gehörte der Hosenlupf zum festen Bestandteil der Festkultur. An zahlreichen Alp- und Wirtshausfesten wurde um ein Stück Hosentuch, ein Schaf oder um andere Naturalien geschwungen. Der Ruhm des Sieges zählte dabei weit mehr als der eigentliche Preis.

Im 19. Jahrhundert brachten denkwürdige Schwingfeste und ambitionierte Sportlehrer das Schwingen in die Städte. So entstand aus dem ursprünglichen Spiel der Hirten und Bauern ein Nationalsport, der alle Schichten umfasst. In den letzten paar Jahren haben Schwingfeste eine hohe Popularität erreicht. Schwingen ist eine moderne Sportart, welche die urchige Herkunft bewahren konnte und als typische Schweizer Sportart gilt.

Nordwestschweizer Schwingerverband

Vorgeschichte

Wie bereits vorerwähnt, zählt das Gebiet der Nordwestschweiz nicht zu den Ursprungsgegenden des Schwingens. Jede Geschichte eines Verbandes kann aber nur mit einem Rückblick in jene Zeit beginnen, die der Gründung vorangegangen ist. Die ersten Spuren in unserem Verbandsgebiet tauchen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf mit den Namen Charles Ferralli und Heinrich Zschokke, Basel, Karl und Hermann Jäggi, Solothurn, sowie dem aus dem Bernbiet in den Aargau zugezogenen Rudolf Schneider, Brugg. Diese Mannen mussten Sich das Schwingen mühsam und unter viel härteren Bedingungen zu eigen machen. Die Genannten, nebst einer grösseren Zahl Unbekannter, dürfen deshatb als Vorkämpfer und Wegbereiter für die Verbandsgründung an-

gesprochen werden. Alle nachkommenden Generationen Sind diesen Pionieren zu grossem Dank verpflichtet.

Verbandsgründung

Im Restaurant <<Löwenzorn» in Basel, trafen Sich am 26. Januar 1896 etwa 35 Mannen zu einer zwanglosen Besprechung zwecks Gründung eines Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes. Die Initiative dazu ging von den bisher bekannten Schwingern Charles Ferralli und Heinrich Zschokke aus, die es seit Jahren verstanden hatten, das Schwingen im Raume Basel populär zu machen. Heinrich Zschokke, gebürtig aus dem aargauischen Gontenschwil (Kreis Kulm), war zudem mit seinem Bruder

Erwin schon im Jahre 1893 in Zürich bei der Gründung des Nordostschweizerischen und 1895 in Biel als Mitgründer des Eidgenössischen Schwingerverbandes in Erscheinung getreten. Den Hauptinitianten standen die Stadtbasler Ernst und Emil Hasler sowie die Baselländer Jakob Leupin und Karl Zweylin, Arlesheim, zur Seite. Die Baselstädter gehörten bis anhin, wie die Aargauer Schwinger, dem Nordostschweizerischen Schwingerverband als Einzelmitglieder an. Die Solothurner hatten im Jahre 1895, gleichauf mit dem Eidgenössischen Schwingerverband, einen

<<Solothurnisch Kantonalen Turnerschwingklub» gegründet, der 1897 schon in den Eidgenössischen Schwingerverband aufgenommen wurde. Aus diesem Grunde beteiligten Sich die Aargauer und Solothurner bei der eigentlichen Verbandsgründung nicht, und damit erklärt Sich auch, weshalb das Gründungsprotokoll nur Namen aus Basel-Stadt und Basel-

Landschaft enthält. Die Gründungsversammlung, präsidiert durch Charles Ferralli, bestellte folgendes erstes Comité (Vorstand): Präsident: Heinrich Zschokke, Basel: Vizepräsident Jakob Leupin, Arlesheim; Kassier: Gottlieb Stampfli. Basel Sekretär: Ernst Hasler, Basel Beisitzer: Karl Zweylin, Arlesheim. Emil Thommen, Basel, Charles Ferralli, Baset. Die Gründung des Teilverbandes erfolgte somit ausser Solothurn, bevor kantonale Schwingerverbände bestanden. Die restlichen Kantonalverbande folgten 10 Jahre später: Aargau 1906, Basel Stadt 1907 und Basel-Landschaft 1908. Nachdem vorerst unklare Verhältnisse ausgeräumt werden mussten und die Kantonalverbände ein Vertretungsrecht zugestanden erhielten. gesellten sich im Jahre 1909 auch die Verbände Aargau und Solothurn zum Nordwestschweizerischen Schwingerverband.

An der Gründungsversammlung wurde das Kursschiff auf Vordermann gestellt, der erste Schwingkurs auf den 22. Februar in die Steinenturnhalle, Basel, angesetzt und im gleichen Jahr bereits ein Verbandsfest beschlossen, das aber aus nicht bekannten Gründen doch nicht zur Austragung gelangte.